MENSCHEN, SORGEN, KI UND FÖRDERUNG

MENSCHEN, SORGEN, KI UND FÖRDERUNG

Das Filmfest München wird dieses Jahr wieder von Filmschaffenden dankbar als Plattform für den Austausch und fürs Netzwerken genutzt. Gerade das Projektgeschäft lebt vom Miteinander und der Gemeinschaft. Die ersten Tage konnten beweisen, dass das Filmfest einen zentralen Anker für die Kreativwirtschaft der süddeutschen Medienmetropolregion bildet. Wichtigste Themen bisher: Zukunft des Kinos, Zukunftsfähigkeit des Produktionsstandorts (Stichwort FFG), Auftragspolitik der Sender, Kostendruck in der gesamten Wertschöpfung und, natürlich, der Einfluss von KI.

Eine kühle Erholungsinsel in der heißen Sommerhitze, eine Begegnungsstätte für gemeinsame Erlebnisse, Erinnerungsmarker für Lebensereignisse und audiovisuelle Impulse für unser inneres Kind, die Kreativität im Kopf. All das und noch viel mehr ist Kino. Was war dein Film mit deiner ersten Liebe? Bei welchem Film war der erste Kuss? Welcher Film hat dich am meisten beeindruckt? Was war der erste Film mit deinen Eltern – und was war der letzte? Kino hat Generationen geprägt und dankbarerweise haben sich die amerikanischen Majors daran zurückerinnert. Das Kino hat auch im neuen Unterhaltungsmix seinen Stellenwert. Neben der Unterhaltungsindustrie ist die Filmkunst ein wichtiges Instrument als Plattform für alternative Sichtweisen, aber auch zur Dokumentation des Zeitgeistes. Das Filmfest München liefert auch dafür mit begeistertem Publikum und vielen Fachveranstaltungen den Beweis.

Filme herzustellen, ob fürs Kino, Fernsehen oder für Streaming-Anbieter, kostet viel Geld. Werbefinanzierte Angebote hängen an der Konjunktur und die öffentlich-rechtlichen Häuser proben den Spagat zwischen gesamtgesellschaftlicher Akzeptanz und Kostenreduktion. Für Dienstleistungsunternehmen wird damit die Luft immer dünner. Der VTFF als Sprachrohr technischer Dienstleister legt den Finger in die Wunde am Beispiel Postproduktion, aber es betrifft alle. Die Produktionsrealität wird in den Budgets der Auftragsproduktionen nicht abgebildet. Bei hoher Inflation und Fachkräftemangel sind die Regulative für schnelle Budget-Anpassungen zu träge.

Der Dreiklang aus Marktgeld, öffentlich-rechtlichen Sendeplatzbudgets und staatlichen Förderungen ist seit Jahren unter Druck. Die vielversprechenden Arbeitsergebnisse für eine neue Förderpolitik, basierend auf verschiedenen, sich gegenseitig unterstützenden Säulen, muss aber von allen Beteiligten mitgetragen werden. Eine Entscheidung nach der Sommerpause würde den Weg für ein wettbewerbsfähiges Modell bereiten. Dann könnten deutsche Produktionen wieder besser im Inland gedreht und auch internationale Großprojekte aus dem Ausland in die hiesige Filmwirtschaft geholt werden. Kompetenz, Netzwerk und Wertschöpfung wären die dringend benötigten Effekte.

Die Auswirkungen künstlich-intelligenter Tools sind erahnbar. Diese werden wohl dafür sorgen, den Kostendruck durch smarte Digital-Alternativen zu dämpfen – zu Lasten der bisherigen Wertschöpfer. Das wird sich nicht verhindern lassen und kann langfristig ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn wir uns darauf einlassen. Der Übergang muss aber von der Branche oder von der Politik begleitet und unterstützt werden. Das ist momentan noch nicht ausreichend erkennbar. Schaffen wir es nicht, entsprechende Brücken zu bauen, werden wir nicht nur Unternehmen und Kreative verlieren. Die Abhängigkeit zu ausländischer Technologie wird weiter steigen und unsere autarke Souveränität begrenzen.

Nur gemeinsam sind diese großen Herausforderungen im Angesicht der gesamtgesellschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen zu bewältigen. Wer dies erkennt, kann sich (s)einem Verband anschließen, sich dort einbringen und mit seiner Stimme zum Gewicht unserer Branche beitragen.

Dein Ensider:Team

(Bild: IFP Entertainment GmbH)

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